Verbessere dein NEIN

Es gibt viele Kommunikationsdisziplinen in denen ich mäßig bin, aber eine in der ich qualitativ ungefähr so gut bin wie Nordkorea in der Pressefreiheit, Trump im dezent sein oder Facebook im Datenschutz: im Absagen. Dabei bin ich nicht allein. Eine kleine Umfrage im Freundeskreis ergab dass sich die meisten sehr schwer tun ein Angebot, eine Verabredung oder eine Verpflichtung abzusagen. Inhaltlich steht es dabei oft außer Frage dass eine Absage in vielen Situationen das einzig Richtige ist, um die eigene Zeiteinteilung oder die Agenda der anderen nicht vor die eigenen Ziele zu stellen.

Bei den Absagen gibt es vier verschiedene, ansteigende Schwierigkeitsstufen zu unterscheiden:

  • Stufe 1 ‚Einfach raus aus der Nummer‘ : Schriftliche Absagen per E-Mail, What’s App oder SMS
  • Stufe 2 ‚Indirekte Kommunikation‘ : Absagen via Sprachnachricht oder auf den Anrufbeantworter
  • Stufe 3: ‚Auf in den Kampf‘: Telefonische Absage
  • Stufe 4 ‚Der Endgegner‘: Absage mit Augenkontakt im direkten Gespräch
Die Auswahl der Stufe ist natürlich nicht immer selbstbestimmt. Aufgrund örtlicher Distanz oder Erreichbarkeiten ergibt sich die Waffenauswahl der Absage. Was verbessert nun das eigene Verhältnis zur Absage und erhöht die Akzeptanz und das Verständnis der Absage beim Gegenüber?

Zunächst sollte ein gesunder Egoismus trainiert werden. Um nicht zum praktischen Spielball anderer (Interessen) zu werden, lohnt es sich die ehrliche Beantwortung der Frage: ‚Profitiere ich von selbst wenn ich auf die Anfrage eingehe?‘. Als Zusatzfrage ebenfalls interessant: welche kurz- und langfristige Konsequenz ergibt sich aus meiner Zu- oder Absage? Eine perfekte Anleitung zu einem gesünderen Egoismus bietet das Buch ‚Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt.‘ des österreichischen Autors Josef Kirschner. Kommt man zu dem Fazit dass eine Zusage den eigenen Zielen nutzt, sind nur noch die Bedingungen der Zusage zu entscheiden – (bis) wann, in welchen Rahmen, mit welchen Ressourcen, was ist die Gegenleistung,… Ist die Absage die bessere oder vernünftigere Wahl helfen auf allen Absagenstufen die folgenden Kommunikationsregeln:

  • Schnelles Feedback -> aus Respekt (auch sich selbst gegenüber) stets sehr zügig abgesagt werden
  • Mit einer positiven Formulierung starten und enden; Verständnis zeigen -> gibt dem Anderen ein besseres Gefühl und hilft ihm ‚sein Gesicht zu wahren‘
  • Kurze Begründung des Absage ohne inhaltliche Entschuldigung -> nicht abschweifen oder den Grund aufweichen; schlechtes Gewissen ist nicht angebracht
  • Keine Hintertür offen lassen -> hier hilft es auf ‚Punkt zu sprechen‘. Was ich damit meine ist am Ende des Absagensatzes nicht mit der Stimme hochzugehen. Dann redet man sich oft selbst noch in Schwierigkeiten.

Wie man kreativ mit einer Absage umgehen kann (ein gutes Beispiel wie aus Zitronen doch noch Limonade wird), zeigt Tim Ferriss in seinem sehr lesenswerten Buch ‚Tribe of Mentors‘ in dem von über 100 Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen Antworten auf für ihn persönlich-relevante Fragen erhält. Allerdings bekommt er im Vorfeld auch Absagen, die aber zum Teil so kunstvoll sind, dass er sie mit Genehmigung des Urhebers in seinem Buch veröffentlicht.

Hier ein Auszug einer Absage von Autor Neal Stephenson auf die Einladung von Tim Ferriss Teil des Buches zu sein:

„Hey there Tim, sorry for the slow response and thanks for thinking of me in this context. It has become pretty obvious of late that I’m trying to do too much, and so I started an experiment of not adding anything whatsoever to my ‚to-do‘ list, so that it wouldn’t get any longer. – .…. –  In the meantime unfortunately, the ‚ruthless-efficient‘ part of this plan means that I am turning down things like this just a blanket policy. ….

P.S.: Aus privater Quelle kam noch eine – angeblich wasserdichte – Anleitung zu einer nachträglichen Rechtfertigung für den Fall dass man eine persönliche Einladung nicht wahrnehmen konnte, wollte oder im Trubel des Alltags vergessen hat abzusagen. Das nächste Mal wenn man den Versetzten sieht und die Frage aufkommt: ‚(wo zum Teufel) bist du gewesen‘, wird sofort Augenkontakt aufgenommen, tief ausgeatmet, kurz gewartet und dann entschlossen und mit fester Stimme gesagt: ‚Glaub mir: es ging wirklich nicht‘. Eventuelle Nachfragen sollten mit mit dem gleichen Satz und noch intensiverem Augenkontakt gekontert werden.

Links:

Drei Schulfächer die ich gerne gehabt hätte (und die ich mir für alle Schulkinder wünsche)

Was sind deine Erinnerungen an die Schulzeit? Ich bin ehrlich: statt fachlichem Wissen, das erschreckend schnell und nachhaltig – manchmal sogar schon eine Stunde nach der Extemporale, geschweige denn 20 Jahre später – erodiert ist, sind es nahezu ausschließlich emotionale Erinnerungen wie die ersten Schmetterlinge im Bauch als Aurora aus der 7b einmal rüberlächelte oder als wir in der dritten und vierten das WM-Endspiel Deutschland – Argentinien nachspielten, die eigenen Namen freiwillig gegen Jürgen, Klaus und Lothar eintauschten (ja verdammt lang her – wenigstens nicht Franz, Paul und Sepp) und uns völlig in Zeit und Raum vergaßen.

Auch wenn ich diese Erinnerungen für nichts in der Welt hergeben würde: wäre es nicht zusätzlich schön und unendlich wertvoll gewesen, gelernt zu haben wie man eigentlich überhaupt etwas lernt, die Macht des Zinseszins zu verstehen oder die freie Rede gezielt und wirkungsvoll einzusetzen. Nicht das diese Themen nicht hier und da angerissen wurden. Allerdings immer mit dem Geschmäckle eher eine Beilage zu sein nicht Fisch oder Fleisch, noch nicht einmal Rote-Beete-Carpaccio. Der Fokus lag immer auf versetzungsrelevanten Fächern und die Zeit für den durchzugehenden Stoff war knapp.

Das soll keinesfalls ein Abhandlung darüber werden, was alles in der Schule im Argen liegt und warum Reformen in diesem Bereich schwerfällig sind wie das Umdrehen eines Tankers. Andere – u.a. Sir Ken Robinson, Richard David Precht – können das viel besser, kompetenter und unterhaltsamer. Es ist nur eine kurze Wunschliste an Themen, die in 21 Nach-Schuljahren als Erwachsener peu à peu durch eigene Erfahrungen und das eigentliche Anforderungsprofil des Lebens zustande kam. Welche Inhalte hätten mir in der Zeit nach (aber eigentlich auch schon während) der Schule signifikant und nachhaltig weitergeholfen?

Lernen zu lernen

Da ist zunächst einmal das Lernen aus der Vogelperspektive: statt sich jeden Schul- und Lerntag in endlosen Details, Vokabeln und Formeln zu verlieren die zum einen Ohr rein und zu anderen Test wieder rausgehen wäre es doch verdammt hilfreich eine Anleitung zu bekommen wie man überhaupt lernt. Ausgestattet mit einem fundierten Verständnis wie das eigene Gehirn funktioniert, welche Erinnerungstechniken es gibt und wie man sie einsetzt, wie man sich richtig Ziele setzt aber auch wie sich Ablenkungstiger wie Facebook, Twitter und Co. zähmen lassen würde eine Werkzeugkiste aufgebaut werden, die das ganze Leben verwendet werden kann.

Finanzielle Bildung

Was würde ich dafür geben, wenn mir im Alter von 14 – 18 Jahren (vorher wäre ich wahrscheinlich leider noch nicht adäquat aufnahmefähig gewesen) jemand die Macht des Zinsenzins-Effekt erklärt hätte. Und zwar nicht nur mathematisch sondern vor allem auch in Form eines emotionalen Appells daran welche Möglichkeiten und vor allem welche Freiheiten sich daraus ergeben. Doch nicht nur der Zinseszins-Effekt – etwas über die Grundlagen des Sparens, der Geldanlage, über die Steuern und das eigene  Verhältnis zu Geld zu lernen hätte die persönliche Bildungsrendite konstant ansteigen lassen.

Präsentation

Eine Idee aber ebenso sich selbst gut zu verkaufen, zu präsentieren ist im heutigen beruflichen und privaten Umfeld kein nützliches Feature mehr sondern eine Grundvoraussetzung für den Erfolg – Punkt. Präsentationen und freies Reden liegen oftmals außerhalb unserer Komfortzone – nicht von ungefähr ist die Angst vor Publikum zu sprechen nicht selten Tabellenführer der Angstliga. Dabei ist es ein königliches Gefühl sich selbst überwunden zu haben, zu merken dass man vom Publikum nicht aufgegessen wird und mit jeder weiteren Präsentation ein klein wenig sicherer zu werden. Wie schön wäre es in diesem Bereich schon zu Schulzeiten Routinen und Techniken zur Vorbereitung und Umsetzung an die Hand zu bekommen und vor allem regelmäßig daran zu arbeiten so dass man schon ein alter Hase in jungem Körper ist wenn man in die Arbeitswelt eintritt.

Die Integration dieser drei Themen in den Schulalltag wäre in höchstem Maße versetzungsrelevant. Es würde die Kinder und Jugendlichen in die Lage versetzen besser für ihre persönliche, berufliche und finanzielle Zukunft gerüstet zu sein.

Stoff für die nächste Ex …

Ken Robinson
Richard David Precht
Finanzielle Bildung
Präsentationen von den Besten lernen

Liebe auf den ersten Schlag

Seit ich im letzten Jahr nach Spanien gezogen bin, bin ich verliebt. Sicher, es gab schon in München Anzeichen – wir haben uns zwar wenig gesehen aber geflirtet wurde immer. Doch nun haben sich die Vorzeichen geändert – aus dem Flirt ist eine richtige Beziehung geworden und die Treue wird nicht schwer fallen. Die Treue zur Sportart Pádel. Dieses satte Knallen, wenn Schläger auf Ball trifft, das sensationelle Gefühl während eines langen Ballwechsels bei dem man sich schon dreimal auf der Gewinner- und dreimal auf der Verliererseite gewähnt hat, die vielen Variationsmöglichkeiten, das erschöpft-glückliche Grinsen nach einer Dreisatzpartie die Körper, Geist und Spieltrieb befriedigt, die zweite Chance durch die Wand, ja, die Wand ….

Die Gründe sich für Pádel zu begeistern sind vielfältig. Pádel ist wie das glückliche Ergebnis einer leidenschaftlichen Affäre zwischen Tennis und Squash. Die Dynamik, Unkompliziertheit, Direktheit von Squash kombiniert mit der Eleganz, Technik und Taktikvielfalt von Tennis – das Ganze noch garniert mit viel Kommunikation – Pádel wird nur im Doppel gespielt – gesunde (Workout-)Intensität und jede Menge Spaß.

Pádel nimmt gerade eine rasante Entwicklung – Experten des Sportmarktes sprechen von der Sportart mit den höchsten Wachstumsraten weltweit. In Spanien hat Pádel Tennis bereits überholt und ist nach Fußball die populärste Sportart mit mittlerweile 3 Millionen aktiven Spielern. Joan Navarro, Präsident des katalanischen Tennisverbands klingt etwas neidisch wenn er sagt: „Pádel gehört die Zukunft des Racketsports. Es vereint das Beste aus Squash und Tennis und hat das Clubleben in Spanien schon revolutioniert.“ Und nach eigenen Beobachtungen hat er Recht: auf Mallorca gibt es alle paar Kilometer eine Anlage und jedes Wochenende Turniere für jede Leistungsklasse – überall sind die Plätze gut belegt. Es wird gelacht, geknallt und geschmettert. Dabei ist die Atmosphäre locker und freundschaftlich. Jeder will gewinnen aber schöne Ballwechsel und ein gutes Match sind mindestens genauso wichtig.

Wenn ich Geld zur Verfügung hätte, würde ich in den Neubau von Plätzen in Deutschland investieren. Wenn ich Tennisclubs bei denen sich nicht um freie Plätze geprügelt wird einen Rat geben dürfte, wäre es einen Tennisplatz in drei Pádel-Courts zu verwandeln (dies ist das Größenverhältnis). Nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung des Angebots, als gesunde Einstiegsdroge für Racketsportneulinge und zur eventuellen Wiederbelebung von Karteileichen aus dem Mitgliederregister. Es tut sich schon viel in Deutschland – neue Clubs entstehen (2017 wurden alleine 7 neue Anlagen gebaut), mehr und mehr Turniere werden organisiert, es gibt nicht einen sondern gleich zwei nationale Verbände. Aus dem Trend wird eine Bewegung. Da bin ich mir sicher. Buen Partido! Hier einige Links für weitere Informationen und einen ersten Eindruck:

Der Elefant auf der Speisekarte – Willenskraft mit einer einfachen Methode gezielt und nachhaltig verbessern

Jeder von uns weiß dass Willenskraft elementar ist, wenn Ziele erreicht werden sollen – ohne diese Metaebene geht es kaum. Egal ob du bis zur Eröffnung der Freibäder eine schwimmbadtaugliche Figur haben möchtest, 500 € für einen neuen Fernseher wegsparen willst oder das 20-seitige Konzept für den Kunden (ausnahmsweise) vor dem allerletzten Drücker fertig haben willst – deine Willenskraft kann dir bei alldem helfen oder dir einen Strich durch die Rechnung machen. Der Elefant auf der Speisekarte hilft dir, deine Willenskraft auf ein ganz neues Niveau zu heben und vielleicht noch wichtiger: sie auch dort zu lassen. Wie bitte? Was ist damit gemeint?

Nun, steht man vor einer großen mitunter sogar monströsen Aufgabe, ist es clever und zielführend die große Aufgabe in kleinere Teilaufgaben anzupacken und systematisch abzuarbeiten. Klingt einfach? Wird aber von vielen Menschen nicht umgesetzt. Hintergrund ist die hypothetische und metaphorische Frage wie man einen Elefanten essen würde (oft ist auch von der Salamitaktik die Rede). Antwort: kontinuierlich kleine Bissen und du wirst erstaunt sein wie schnell sich der Elefant in Luft aufgelöst hat.

Auf die Spitze haben dieses Prinzip zwei Meister ihres Fachs getrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die ‚tschechische Lokomotive‘, Wunderläufer Emil Zatopek (4-facher Olympiasieger in London 1948 und Helsinki 1952) und der amerikanische Zauberer und Aktionskünstler David Blaine. Während Zatopek von dem das Zitat ‚Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft‘ stammt, seine Langstreckenläufe in kleine Einheiten runterbrach: „nur noch bis zur nächsten Laterne, nur bis ….“ und damit den Schmerz überlistete schaffte Blaine das scheinbar Unmögliche und verbrachte über 60 Stunden in einem Block aus Eis. Statt zu denken: ‚Wie soll ich das über 2 Tage durchhalten‘ konzentrierte sich Blaine immer nur darauf die nächste Stunde zu überstehen.

Auf unsere Beispiele bezogen bedeutet dieser Methode:

Statt: Ich will bis zur Eröffnung der Freibäder 10 Kilo abnehmen
Elefanten-Mindset: Ich will in der nächsten Woche 1 Kilo oder mehr abnehmen.

Statt: Ich will 500 € für den Fernseher sparen.
Elefanten-Mindset: Ich will in den nächsten 10 Wochen jeweils 50 € oder mehr zur Seite legen.

Statt: Ich will mein 20-seitiges Konzept einen Tag vor der Abgabe fertig bekommen.
Elefanten-Mindset: Ich werde jeden Tag einen Absatz oder mehr an meinem Konzept schreiben.

Wichtig ist, dass man sich immer die Option offen hält auch mehr als das festgelegte  Minimum schaffen zu dürfen. Durch die Stückelung in kleine und realistische Einheiten kommt ein positiver und sich selbst verstärkender Mechanismus in Gang. Du erreichst deine Teilziele und gewinnst dadurch Selbstvertrauen. Gleichzeitig wird die Motivation für das jeweils nächste Teil- aber auch das Gesamtziel gesteigert. Meistens wirst du feststellen dass du mit dieser Methode sogar früher als geplant ans Ziel kommst.

Ein sich verstärkender Effekt ergibt sich auch dadurch dass du darauf acht gibst wie du an dich selbst kommunizierst. Tabu sind Formulierungen à la ‚Ich muss‘, ‚Ich sollte‘, ‚Ich kann nicht‘. Stattdessen solltest du ‚Ich will‘, ‚Ich werde‘, ‚Ich kann‘ so oft wie möglich verwenden. Zuletzt hilft es erwiesenermaßen(siehe Fujita-Studie von 2006) auch bei Zielen öfters die Warum-Fragestellung einzubauen. Damit ist gemeint dass du auf das Schwimmbadbeispiel folgende Frage selbst beantwortest: ‚Warum will ich eine schwimmbadtaugliche Figur?‘ Die Antwort (z.B. die anderen Badegäste werden alle bewundernd schauen) solltest du dir aufschreiben und sie dir nach auch so genau und detailreich wie möglich in allen Farben und Formen vorstellen. Bei dem Fernseher stellst du dir im Zuge deiner Antwort z.B. vor wie du deine favorisierte Sendung auf Netflix gestochen scharf mit einem Drink auf deiner Couch siehst.  Nach der vorzeitigen Abgabe deiner Konzepts bist du völlig entspannt im Biergarten und plauderst mit deinen besten Freunden über alte und neue Zeiten.

Eine Kugel … Hantel bitte

Was würdest zu einem Trainingsgerät sagen, dass:

  • dir große Fortschritte bei kurzer Trainingszeit beschert
  • sehr wenig Platz benötigt
  • dir erlaubt nahezu überall zu trainieren (Strand, Wohnzimmer, Balkon, Arbeitsplatz)
  • dein Körperfett bei jedem Training frontal angreift
  • dir hilft Muskeln aufzubauen die dir im Alltag helfen, die funktional sind
  • dir ermöglicht sowohl Kraft als auch Ausdauer zu trainieren
  • dir eine ganze Welt von Übungen für jede Körperregion eröffnet
  • niemals kaputt geht und für unter 100 € zu haben ist.

Nicht schlecht, oder? Das alles (und noch viel mehr) kann die Kettlebell die kerniger auch Kugelhantel genannt wird. Dieses geniale Trainingsgerät kommt aus Russland (dort Girya bzw. Giri genannt) hat seit vielen Jahren ihren Platz in der Fitnesswelt – bei den genannten Eigenschaften kein Wunder. Keine der aus dem Boden schießenden Cross Fit Boxen kommt ohne sie aus. Die Kugelhantel ist zwar mittlerweile in allen erdenklichen Farben, Formen, Größen und Gewichtsgrößen erhältlich, die ursprünglichen Versionen sind jedoch aus Guss- bzw. Schmiedeeisen und wiegen 16, 24 oder 32 Kilo (was auf die russische Gewichtseinheit ‚Pud‘ zurückgeht die etwas mehr als 16kg ausweist).

Die anatomische Besonderheit der Kugelhantel ist dass der Schwerpunkt im Gegensatz zu einer Hantel außerhalb der Hand bzw. tiefer liegt. Die Folge ist dass der Körper permanent damit zu tun hat die Instabilität auszugleichen – die Körpermitte (Core) wird so bei jeder Übung gefordert – es sind immer viele Muskelgruppen gleichzeitig gefordert. Die Kettlebell trägt somit zu einer starken und stabilen Körpermitte bei. Neben dem anderen Schwerpunkt gibt es einen weiteren Unterschied zur gewöhnlichen Hantel – die Wiederholungszahl ist viel höher, Übungen wie z.B. der Swing werden je nach Fitnessgrad mit bis zu 100 Wiederholungen am Stück durchgeführt.

Mit der Kettlebell kannst du überall auf kleinstem Raum trainieren – im Wohnzimmer, auf dem Balkon, im Park, am Strand, in der Garage, etc. Nachdem die Grundausstattung besorgt ist, ist das eigene Fitnessstudio geöffnet. Die damit einhergehende schlechte Nachricht: es gibt (noch) weniger Ausreden ein Training ausfallen zu lassen.

Das Training mit der Kettlebell ist die perfekte Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Viel zu oft und unnötigerweise werden beide als Trainingsarten als Gegenspieler betrachtet (entweder – oder). Die Kettlebell vereint Ausdauer und Kraft, die im ‚wahren Leben‘ sowie im Sport auch nicht losgelöst voneinander existieren sondern sich ergänzen. Die Kettlebell macht die Entscheidung ob heute Kraft- oder Ausdauertraining ansteht obsolet – du kannst beides zur gleichen Zeit machen.

Dabei reduziert die die hohe Intensität des Trainings die insgesamte Trainingszeit. Wenn man so will, ist die gute, alte Kugelhantel somit das perfekte Trainingsgerät für all diejenigen die Zeit sparen (was bekanntlich nicht geht, jeder Mensch hat die gleichen 24 Stunden zur Verfügung; nur den Umgang mit der Zeit kann man verbessern) oder besser gesagt den Zeiteinsatz optimal nutzen wollen.

Trotz der inhärenten Instabilität und des z.T. beeindruckenden Gewichts ist das Training mit der Kettlebell vergleichsweise sicher und ist zu Körper und Gelenken schonender als viele andere Trainingsformen. Voraussetzung ist natürlich dass man sich etwas mit der Materie auseinander setzt analog oder digital Rat und Anleitung holt. Wie immer am besten: eine Stunde mit einem Coach buchen der einen durch die Grundtechniken leitet.

Welches Gewicht sollten deine ersten Kettlebells nun haben?

Hier kommt es neben deines Fitnesszustands auch auf deine Zielstellung und deinen Geldbeutel an. Wenn du nur die Kettlebell-Grundübung schlechthin durchführen willst, den Kettlebell-Swing, dann solltest du mit dem Gewicht mindestens 10 technisch saubere Wiederholungen schaffen. Das kann für die Frau dann ein Gewicht von 8, 12, 16 oder 20 Kilo sein oder für den Mann (12, 16, 20 oder 24 Kilo). Wer gleich top-ausgestattet sein will, legt sich ein Kettlebell-Set von 2 oder 3 Kettlebells zu, z.B. für eine relativ antrainierte Frau 8,12 und 16 Kilo oder für einen gut trainierten Mann 20, 24 und 32 Kilo

Weiterführende Links

Kettlebells:
Videos:
  • Anleitung zur Grundübung I der Kettlebell, dem Swing
  • Anleitung zur Grundübung II der Kettlebell, dem Turkish Get Up
Bücher:

Wie rede ich mit einem Kind … das nicht das Eigene ist?

Neulich bin ich an meine Grenzen gestoßen – nicht beim Schachspielen gegen pakistanische Altmeister, nicht beim Bouldern an Überhangwänden und auch nicht daran einen einfachen Handstand zu machen. Nein, in der Kommunikation mit einem 9-jährigen Jungen.
Ich sollte im Sportclub für 30 Minuten auf einen Jungen aufpassen, den ich ein wenig aber keineswegs gut kenne. Ablenkungen waren nicht vorhanden – nur er und ich und zwischen uns nur ein Kakao und ein Kaffee. Zeit für ein kurzes Gespräch zwischen großem und kleinem Mann, Zeit für einen lockeren Austausch. Eigentlich. Doch es wurde eher eine verkrampfte Aneinanderreihung von Fragen (Spielst du gerne Tennis? Wer ist dein Vorbild? Was ist deine Leibspeise?, …) meinerseits die seinerseits jederzeit freundlich aber immer einsilbiger beantwortet wurden. Es war kein unangenehmes Gespräch, aber einseitig mit klarer Rollenverteilung und ohne Mut zur Lücke von mir. Blickkontakt mit Schweigen ist für mich schon im Gespräch mit Freunden eine schwierige Übung.
Wie führt man aber ein Gespräch mit einem Kind das nicht das Eigene ist? Kommunikation mit dem eigenen Kind ist wieder ein ganz eigenes Thema für sich – Stichwort . Wie gelingt ein angenehmer Small Talk, für den es in der Erwachsenenwelt zahllose Tipps und Ratgeberbücher gibt? Und vor allem: wie kommt es zu einem Austausch der mehr ist als ermüdendes Frage-/ Antwortspiel?
Die Google-Recherche zu diesem Thema ist ernüchternd. Es findet sich nicht viel und das Wenige ist an Eltern adressiert die besser mit ihren Kindern kommunizieren wollen um aus der ständigen Ausrufezeichenkommunikation (‚Mach das nicht‘, ‚Lass das zu‘, ‚Hör auf mit‘) herauszukommen.
Weitere, tiefergehende Recherchen – Viele weitere Interaktionen mit anderen Kindern, Studium von Blogeinträgen, Adaption von Tipps für Eltern – Kind – Kommunikation und Umfragen im Bekannten und Freundeskreis ergeben  folgende Ratschläge für den Small Talk mit nicht-eigenen Kindern.
Zum Einstieg die Basics: 
  • Einfache, bildhafte Sprache verwenden
  • ‚Auf Augenhöhe‘ mit dem Kind sprechen – sich gegenüber sitzen ist besser als sich gegenüber stehen – und keinesfalls die Tonalität eines Kindes imitieren
  • Aktives Zuhören und Mut zur Pause -> einfach mal die Klappe halten und warten was passiert
  • Humor mit offenen Visier ohne Sarkasmus -> Kinder (bis 14 Jahren) verstehen in der Regel noch keinen spitzfindigen Kommentare
  • Immer 1-2 Eisbrecher parat haben. Beispiele:
    • Beim High Five nach hinten fallen weil das Kind sooo viel Kraft hat
    • Lustiges Video oder Foto zeigen
    • Wette abschließen (wetten dass ich / du ….)
    • Zaubertrick
    • … der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt
Darauf aufbauend für Fortgeschrittene: 
  • Keine falsche Begeisterung für das Kind oder Gesprächsinhalte zeigen. Die Killer-Formulierung ‚Sei Authentisch‘ trifft hier ins Schwarze. Kinder spüren mindestens so gut wie Erwachsene ob man tatsächlich hinter dem steht was man sagt
  • Offenen Fragen stellen über Themen wie Sport, Pop-Kultur, Weltgeschehen – je nach Alter des Gegenüber – für die sich das Kind interessiert:
    • Statt: Magst du Videospiele? besser: Was ist das beste Computerspiel aus deiner Sicht?
    • Statt: Hörst du gerne Musik? besser: Welche Art von Musik gefällt dir?
    • Statt: Magst du die Schule? besser: was interessiert dich am meisten in der Schule?
  • Viel wichtiger als das was man sagt ist es außerdem wie man es sagt. Die Mehrabian-Regel gilt in Grundzügen auch für die Kommunikation mit Kindern. Die nonverbale Kommunikation – Körpersprache (z.B. Haltung, Gestik, Augenkontakt) und Stimmlage sind deutlich wichtiger als der Inhalt des Gesagten.
Weiter bilden -> Literaturempfehlungen: