Die beste Diät (ohne Essen und Yo-Yo)

Telefonat nach ca. 10 Tagen ohne ‚zuletzt online‘, blauen Doppelhaken, (schrecklichen) lachweinenden Emoticons, Gruppen wie ‚Wer geht heute steil?‘, ‚Geburtstagsorga Tom‘ und Hans-Peter-Lulu-Susi-0176112113 schreibt… Telefonat nach einer Woche ohne WhatsApp:

„Wie läuft die Diät?“
„Hä? Was meinst du?“
„Deine digitale Diät“
„Ach so das. Die läuft fantastisch. Könnte was ernstes werden mit ihr. Viel besser als ich es mir vorstellt habe.“

Mittlerweile ist noch viel mehr Zeit ins Land gegangen seitdem die grüne Aufmerksamkeitskrake weg ist aus meinem Telefon, aus meinem digitalen Leben. Doch statt neudeutsch nervöse FOMO-Zuckungen (Fear of missing out; die Angst etwas zu verpassen) zu haben, geht es mir blendend. Der Griff nach dem Handy wird mit jedem Tag sporadischer und gleichzeitig zielgerichteter. Die zeitliche Lücke, die WhatsApp bei mir hinterlassen hat, ist so groß, dass ich bequem andere (sinnvollere) Apps (z.B. Udemy, Podcast Addict, Ecos) nutzen kann, viel mehr direkt mit Freunden kommuniziere (Handy primär zum telefonieren? Ja, da war doch mal was) und insgesamt jede Menge herrliche, befreiende Offline-Momente genieße.

Dabei war ich noch nicht mal ein Heavy User von WhatsApp, eher so ein unbegeisteter Mittippser der im Freundeskreis relativ schnell bekannt wurde mit der Zeile ‚Max B. hat die Gruppe verlassen‘. Ja, den meisten Gruppenchats habe ich mich gleich entzogen, weil das immer schon genervt hat: eine Kernbotschaft ummantelt von 400 in jede Himmelsrichtung glotzenden Smilies und banalen Worthülsen à la ‚Klaro‘, ‚Oki‘, ‚Supi‘ ‚Geht klar‘, ‚Freu mich‘, …  Trotz einer kritischen Grundhaltung wurde WhatsApp über die letzten Monate und Jahre auch bei mir immer zeitintensiver – ich selbst immer bequemer. Anrufen und kurz einen Termin absprechen? Ach nö, lieber schnell eine Nachricht eintippen. Einen Freund wegen etwas aufmuntern oder kritisch hinterfragen. Bloß nicht, lieber einen einfachen Daumen nach oben oder ein sonstiges Emoticon durch den Äther jagen.

WhatsApp war einfach praktisch, um die Faulheit nach richtiger Kommunikation auszuleben und trotzdem überall so ein bisschen mitzumischen. Gemocht habe ich WhatsApp nie. Dabei mag ich an Smartphones vieles – gute Apps, gute Momente per Foto und Video festhalten & Kommunikation von jedem Erdwinkel – und sehe mich nicht als alten Knacker der den Zeigefinger nicht mehr runterkriegt vor lauter heben.  Was natürlich auch stimmt: WhatsApp ist nur das Gefäß, die Inhalte kommen von uns. Theoretisch wäre auch über diesen Kanal eine Kommunikation möglich, die bereichernd ist, Mut macht, Trost spendet oder zum lachen bringt (das richtige Lachen, nicht das offizielle Totlachen durch den Versand von 12 Lachweinern bei dem man in der Realität in der Ubahn sitzt und nicht mal den Mundwinkel verzieht). Nur der Glaube daran fehlt mir – zu nahe ist auch bei mir die leichte Lösung, das schnelle und kurze Antworten (um es weg zu haben und die rote Nachrichtenanzeige verschwinden zu lassen), die nie-fortgehende Neugier nachzusehen, was er/sie antwortet, die Unruhe wenn auf eine Nachricht länger nichts zurückkommt (war es nicht doch missverständlich).

Deswegen Selbstschutz, digitale Diät, zumindest bis auf weiteres. Es fallen zwar keine Pfunde aber ich fühle mich leichter.  Die Wirkung ist schon jetzt erstaunlich. Vor allem auf dem Zeitkonto komme ich vom Dispo langsam zu Erträgen auf das eigene Wohlbefinden. Der Yo-Yo-Effekt wird ebenfalls nicht kommen. Wenn ich wieder zurückkomme werde ich maximal wieder der Grumpy-Old–Gruppenverlasser werden – Überkompensation nur als theoretisches Phänomen. Beim Blick auf die Mitbevölkerung die hektisch WhatsApp öffnen und schließen – zum Teil mehrfach die Stunde kommt ein Satz von Mark Twain ins Gedächtnis der mich weiter in meinem Vorhaben bestärkt, hier vielleicht auf der richtigen Spur zu sein : „Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect“.

Eine alte Bekannte, die ich neulich zufällig wiedertraf und der ich beim Nummernaustausch sagte, dass ich nicht bei WhatsApp bin, schaute erstaunt und speicherte mich mit Max Oldschool in ihr Handy ein. Oldschool zu sein ist selten verkehrt. Eigentlich nie.

Zum Weiterlesen:
Digital Detox, Daniela Otto

 

Zitate im Flugmodus – Part I

Manchmal ist es schwierig die Vogelperspektive einzunehmen, sieht man die Lösung vor To Do’s nicht, ist überfordert mit der Lücke zwischen eigenen Anspruch und der Wirklichkeit. Manchmal hat man nicht den Mut ein längst überfällige Entscheidung zu treffen, das Herz in die Hände zu nehmen statt abzuwarten bis die Polkappen endgültig geschmolzen sind. Manchmal wählt man den Weg des geringsten Widerstands, ist auf der langweiligen Routineautobahn statt in die Nebenstraßen abzubiegen wo das eigentliche Leben stattfindet.

Wenn man ehrlich ist kann stimmen die Sätze für einen selbst oder die geschätzte Entourage meist auch noch wenn das Wort manchmal durch ein Wort aus der folgenden Auswahl ersetzt: regelmäßig, oft, immer, meistens, häufig.

In diesen Momenten hilft es mir kurz (oder besser lang) Atem zu holen und von der Weisheit anderer zu profitieren, die es mit kurzen, prägnanten Geniestreichen in Form von Aussagen schaffen, je nach Bedarf Lösungen, Trost, Zuversicht, Motivation oder Klarheit zu geben. Sobald eine Aussage von vielen Menschen als wertvoll oder geistreich erachtet wurde, bekommt sie ihren Doktortitel und wird zum Zitat.

Nachfolgend 10 Doktoren die vielleicht auch dir helfen in deiner momentanen Situation. Allerdings nur dann – und das habe ich am eigenen Leib erfahren – wenn du dich kurz von der digitalen Tanzfläche verabschiedest und im Flugmodus ohne Ablenkung über die Sätze nachdenkst. Ja. das geht:

„It had long since come to my attention that people of accomplishment rarely sat back and let things happen to them. They went out and happened to things.“ (Leonardo da Vinci)

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem ein Schaaf sein“ (Albert Einstein)

„Why do you go away? So that you can come back. So that you can see the place you came from with new eyes and extra colors. And the people there see you differently, too. Coming back to where you started is not the same thing as never leaving.“ (Terry Pratchett)

„Wie lange ich lebe, hat mit meinen wahren Wesen nichts zu tun. Wie lange ich aber leben werde, um im eigentlichen Sinn zu leben, das hängt von mir ab“ (Seneca)

„Life shrinks or expands in proportion to one’s courage“ (Anais Nin)

„Anything worth doing is worth doing slowly“ (Mae West)

„Auch der längste Marsch, beginnt mit dem ersten Schritt“ (Lao-Tse)

„If you set your goals ridiculously high and it’s a failure, you will fail above everyone else’s success“ (James Cameron)

„The reasonable man adapts himself to the world; the unreasonable one persists in trying to adapt the world to himself. Therefore all progress depends on the unreasonable man“ (George Bernard Shaw)

„Named must your fear before banish it you can“ (Yoda)

Generalist versus Spezialist. And the winner is Jack …

… of all Trades. Mit diesem Ausdruck bezeichnet der Ami den Generalisten. Hierzulande heißt er putziger Weise Hansdampf in allen Gassen oder Tausendsassa und ist der natürliche Gegenspieler des Spezialisten.

Grundsätzlich geht um die Frage, ob man eher als Generalist oder als Spezialist durchs Leben gehen will. Natürlich ist das ein hypothetischer Wettbewerb und hier und da gibt es Überschneidungen (auch ein Spezialist generalisiert manchmal und andersrum). Trotzdem kann es Sinn machen, sich die Unterschiede vor Augen zu führen und in der Konsequenz seinen Favoriten zu wählen. Für diesen Blog aber auch für mein Leben habe ich diese Wahl bereits getroffen und mich entschieden als Hans Dampf in allen Gassen zu geben … oder so ähnlich. Toolzeit soll gute Werkzeuge vermitteln aber eben nicht nur Hammer sondern eine ganze Werkzeugkiste – die Anwendungsbereiche sind dabei vielfältig.

Dabei ist die Entscheidung, ein Generalist zu sein gar nicht so eindeutig oder gar banal. Spezialisten sind sehr gefragt in diesen Tagen. Der Arbeitsmarkt honoriert Fachwissen und die meisten Menschen interessiert – gerade mit Blick auf Fix- und Wunschkosten – nunmal die Sicht von Vater Markt. Finanziell scheint die Gleichung also zu sein: je mehr Spezialwissen in einem ökonomisch relevanten Bereich aufgebaut wurde, desto mehr kann nachher abkassiert werden, desto mehr Marktwert ist vorhanden.

Ganz so leicht ist es natürlich wie immer nicht und so kann auch der Tausendsassa mitreden wenn das kapitalistische Fell verteilt wird. Warum das so ist und welche Gründe es noch geben kann eine allgemeinere Richtung einzuschlagen, will ich im Folgenden aufzählen – völlig subjektiv, nicht wissenschaftlich und amateurhaft:

  • Zunächst kann ein Generalist in vielen Bereichen eine Vielzahl der jeweiligen Spezialisten überholen – zum Beispiel bei konsequenter Anwendung des berühmten Pareto-Prinzips, welches besagt dass 80 Prozent der gewünschten Ergebnisse mit nur 20 Prozent des Aufwands erreicht werden. Spezialisten überschätzen oft die Zeitaufwand eine Tätigkeit richtig gut zu beherrschen. Zudem führt bei mir die Frage, ob ich lieber eine Fertigkeit nahezu perfekt – Perfektion ist sowieso eine Illusion – oder viele Fertigkeiten überdurchschnittlich gut können will zu einem eindeutigen Ergebnis zu Gunsten der Vielfalt. Durch stetige Verbesserung in vielen Disziplinen gibt es häufiger Endorphinausschüttungen als bei der „Perfektion“ einer einzelnen Tätigkeit.
  • Generalisten können öfter als Spezialisten die Vogelperspektive einnehmen. Konzentriert man sich auf ein spezifisches Gebiet oder Anwendung, ist die Gefahr groß, nur noch die eigene Suppe gut zu finden und immer weiter darin zu rühren. So kann es bedeuten, dass eine zu enge Fokussierung auf ein Spezialgebiet mittel- und langfristig zum Nachteil wird, wenn die Technik oder Konkurrenz längst schon auf den nächsten Baum gesprungen ist. Bezieht man die Spezialisierung auf eine bestimmte politische Meinung oder Denkrichtung besteht außerdem durch die Abschottung nach außen bzw. der permanenten Selbstbestätigung durch den alleinigen Austausch mit Gleichgesinnten die Gefahr, engstirnig zu werden.
  • Gerade in der Wohlstandsgesellschaft der ersten Welt in der Grundbedürfnisse jederzeit erfüllt sind, braucht der Mensch geistige Nahrung – und nicht materielle Ersatzbefriedigungen – um nicht abzustumpfen. Depressionen sind eben eher die Folge von Eindimensionalität als von vielfältigen Interessen. Es gibt einen abnehmenden Grenznutzen und -genuss bei materiellen Besitztümern, wohingegen beim lebenslangen Lernen vielseitiger Themen der Genuss keine Grenze kennt.

HIT und HIIT … deine Abkürzungen zur Strandfigur

Sie sind überall – sie bewegen sich gleichmäßig oder heben Gewichte. Doch treten sie meistens auf der Stelle wenn es um die Erreichung ihrer Ziele geht. Du siehst sie auf der Straße, im Park, im Fitnessstudio, im Schwimmbad – (fast) zu jeder Tageszeit und auf der ganzen Welt.

Sie, das sind Walker, Jogger, Hantel- bzw. Maschinentrainierende, Ellipser (ok, das Wort gibt es nicht), Stepper, Schwimmer, Fahrradfahrer und viele mehr, die ihr Training mit geringer Intensität absolvieren. Sie investieren sehr viel Zeit und Energie in ihre Cardio- oder Fitnessstudio-Einheiten, dabei ist die Fettabbau-Rendite gering. So trotten sie dahin, manche gut, die meisten bescheiden gelaunt, nie am Limit aber immer in der Hoffnung das Richtige zu tun – für den Körper. Muss ja helfen. Das eigentliche Ziel, nämlich die Wäsche vom Bauch zu nehmen um das Brett oder Sixpack frei zu legen gerät zum unerreichbaren Wunschtraum, ja zum Mythos.

Doch der jahrelange Fitnessmarathon muss nicht sein: es gibt Abkürzungen* die bei konsequenter Anwendung viel schneller zum Ziel führen, die den Waschbrettbrauch im Zusammenspiel mit guter Ernährung zur Realität werden lassen, die einem mehr Zeit für andere Aktivitäten geben. Mehr netto vom brutto, wer will das nicht.  Diese Abkürzungen zu gehen ist nicht leicht, der Weg ist mitunter viel steiniger als auf der Hauptstraße, aber die Anstrengung lohnt sich und macht glücklich und liegt sogar in unserer Natur. Intensives Training in Farbe führt zu HD, High Definition für den Körper gewissermaßen.

Diese Abkürzungen heißen HIT und HIIT, wobei erstere für High Intensity Training, die andere für High Intensity Interval Training steht.

HIT ist eine Methodik für das Training mit Gewichten, für das Krafttraining. Ziel ist hier die Muskeln bzw. die Muskelgruppe in kürzester Zeit – meist reicht ein einziger Trainingssatz – zur Erschöpfung, ja zum Versagen zu bringen. Ob dies beim Training zu Hause oder im Fitnessstudio passiert ist zweitrangig. Da der Körper das Versagen nicht mag, versucht er durch erhöhtes Muskelwachstum das nächste Mal besser auf die Situation vorbereitet zu sein.

HIIT dreht dagegen im Konditionstraining in Intervallen den Pegel immer wieder zum Anschlag der Erschöpfung. Die Methode hat mit dem Nachbrenneffekt, EPOC genannt (= Excess Postexercise Oxygen Consumption) einen treuen Begleiter, der bis zu 72 Stunden nach dem Training noch dem Fett zu Leibe rückt. Das führt zum Schmelzen des Körperfetts und das viel schneller als bei klassischem Ausdauertraining und ohne Risiko für die bestehende Muskelmasse – im Gegensatz zum Training im Niedrigfrequenzbereich.

Gemeinsames Element beider Abkürzungen ist die High Intensity, man darf also ins Schwitzen kommen, nach Luft japsen und die Muskeln so zum brennen bringen das sie säuerlich auf werden – und das bei jeder einzelnen Einheit.  Als Belohnung für die Anstrengung sorgen beide Methoden dafür dass der Körper nahezu rund um die Uhr Fett verbrennt – ganz egal ob du am See oder auf der Couch liegst.

*natürlich haben auch lange Cardioeinheiten (meistens) positive Effekte auf die Gesundheit und die Fitness. Manchen Menschen gefällt die Art und Weise des niedrigintensiven Trainings und die oft langen Einheiten, ganz alleine im Kampf mit den Elementen. Doch die Fans des sog. LISS (Low Intensity Steady State) können stark von der Integration hochintensiver Einheiten in ihren Trainingsalltag profitieren.

In die Umsetzung kommen:

Die perfekten Bücher um direkt mit dem Training einzusteigen und tiefer in die Materie einzusteigen (ich habe beide Bücher gelesen und kann sie sehr empfehlen):

Der Monat ist das bessere Jahr … bezüglich deiner Ziele

Neujahr, ein beliebiges Jahr, gegen 11 Uhr. Zu Hause. Die Kaffeemaschine dampft und gurgelt während letzte kleine Aspirinbröckchen im Wasserglas verschwinden. Du bist noch mit einem Bein im alten Jahr, bei der Feier gestern und hast seit dem Aufwachen die Gewissheit (aus der Erfahrung von vielen ähnlichen Nächten deines Lebens) dass der letzte Gin Tonic ein stummer Begleiter deines Tages sein wird, ein treuer Kater aber eigentlich gar nicht so schlimm. Vertraut und zahm.

Jungfräulich liegt es also vor dir, das ’Neue‘ – gerade ein paar Stunden alt. Der Gedanke an die neuen Möglichkeiten, an die neuen Erlebnisse macht dir im Prinzip gute Laune – du freust dich auf neue Impulse für Körper und Geist, hast Lust dir Ziele zu setzen und dieses Mal – ja, dieses eine Mal wirklich – auch umzusetzen. 10 Kilo, 100 Bücher, 1000 Minuten meditieren (z.B. mit der großartigen App Headspace), 10.000 Euro anlegen – alles scheint möglich.

Anfang April im gleichen Jahr – Samstag. Wieder 11 Uhr. Wieder zu Hause. Wieder gurgelt die Kaffeemaschine. Der Kater ist wieder da – allerdings dieses mal ohne Gin in deiner Blutbahn und Aspirin brauchst du auch keine. Der Kater bezieht sich auf die Nichterreichung deiner Ziele. Stück für Stück, poco a poco haben sie sich verabschiedet.

Dabei lief es zuerst gut. Die Mediation gleich nach dem Aufstehen um nicht gleich zum Tagesstart passiv aus müden Augenschlitzen deine E-Mails zu lesen – kein Problem. Check. Einige Woche warst du joggen – sogar zweimal pro Woche. Check. Check. Für einige Zeit hast du dir auch nichts einverleibt mehr was deine Oma nicht als Essen erkannt hätte. Dieser Satz ist dir aus einem schlauen Buch hängen geblieben, das du im Zuge deiner Nicht-sinnlos-fernsehen Offensive gelesen hast. Check. Check. Check.

Die Meditation blieb dann als Erstes auf der Strecke – obwohl es dir gut getan hat und erste Effekte am Horizont sichtbar wurden. Aber irgendwann im neuen Jahr wurde der Alltag nervig und laut wie ein AK*. Plötzlich waren 10 Minuten ruhig ein- und ausatmen zu stressig (welch Ironie), Netflix übertönte deine Leseambitionen mit Leichtigkeit und einem nicht enden wollenden Serien- und Dokufeuerwerk. Und als du mit den Joggingschuhen das 2. Mal in Folge nicht über das Eck-Cafe mit der süßen Bedienung hinausgekommen bist wäre plötzlich auch deine Oma wieder irritiert gewesen, was du Abends auf deinem Teller hast.

Dein Zielkater – egal ob er mal etwas früher oder später im Jahr kommt, muss nicht sein. Und auch mehrere unterschiedliche Ziele in Bezug auf Körper, Geist und Knete zu verfolgen muss zu keiner Überforderung führen und kann dir völlig neue Einblicke ermöglichen. Du kannst dein Vertrauen in dich selbst mit jedem Monat steigern, indem du dich an folgende einfach, neue Regel hälst, für die Gary Vaynerchuck’s (ein faszinierender Mensch) folgendes Zitat eine Steilvorlage ist:

„Macro Patience, micro speed. They should not care about the next eight years, but they should stress the next eight days. The micro makes up the macro.“

Auf deine Ziele und den Rahmen übertragen heißt das. Teile das Jahr einfach in 12 Einzelziele auf, die dich deinen Makrozielen – Strandfigur, Investieren, Mentale Gelassenheit, Wissensaufbau – näher bringen.  Diese kannst du im Idealfall dann täglich dokumentieren – eine (Ziel-)Pause von 1-2 Tagen zwischen den jeweiligen Monaten kannst du dir hierbei natürlich gönnen. Statt weniger großer Ziele erhälst du so übersichtlichere, machbarere Herausforderungen und vor allem die Möglichkeit viel Neues auszuprobieren. Klingt banal wird dich aber gewaltig nach vorne bringen. Aus einigen Monatsvorhaben werden auf diese ganz automatisch langfristige Routinen, andere ziehst zwar durch bleiben aber nicht hängen – dazulernen wirst du immer.

In der Praxis kann das dann so aussehen:

  • Januar: 50 Kettlebellswings täglich
  • Februar: 10 Minuten Meditation mindestens 5 x pro Woche
  • März: 2 längere Fachartikel zu einem Wissensgebiet deiner Wahl, täglich
  • April: Buchführung über jede einzelne Ausgabe
  • Mai: 6 x Tage / Woche mindestens 10.000 Schritte
  • Juni: In einem Zeitfenster von 8 Stunden essen und 16 Stunden fasten
  • Juli: jeden Tag eine Podcast-Folge hören
  • August: 5 x pro Woche 2 Stunden an einem Stehpult arbeiten
  • September: Pro Woche 3 fremde Leute in ein kurzes Gespräch verwickeln
  • Oktober: den ganzen Monat auf Alkohol verzichten
  • November: täglich einen Geschäftsbericht eines Dax-Unternehmens lesen
  • Dezember: ein Dankbarkeitstagebuch führen

*Für die Wenigen die es noch nicht gehört haben. AK = Arschlochkind

Veröffentlicht in Ziele

Die Pendel Universität – Hör dich schlau

Dein täglicher Arbeitsweg ist eine großartige Inspirationsquelle für dich und du lernst Dinge die dich interessieren und faszinieren. Du bist Student auf der Pendel Universität – der vielseitigsten Hochschule der Welt. Wie bitte? Nein, ich habe nichts geraucht und tanze mich gerade in den Sonnenuntergang. Und ja, du kannst die tote Zeit vor und nach dem Broterwerb tatsächlich hervorragend nutzen, um deinen Horizont zu erweitern – sei es dass du eine Sprache lernst (oder wieder auffrischst), dir etwas von den brillantesten Unternehmern der Welt abschaust, dir Stück für Stück Finanzbildung aufbaust oder dich von einer Biographie inspirieren lässt. Das alles ist möglich – fang einfach an, morgen geht es los.

Wie machst du dich konkret auf den Weg zur Pendel Universität? Ganz einfach: zunächst befreist du erstmal deine Sinne von tagesaktuellen News, den zu fröhlichen und im Rudel auftretenden Radiomoderatoren, den Beschimpfungen von SUV-Kalle neben dir weil du bei Grün nicht Hamilton-mäßig angefahren bist oder dem Passivanhören in Bus und Bahn von kryptischen Halbsätze die Wörter wie Analhusten (= Blähungen), Babo (= Anführer, Chef) oder bangable (für Sex geeigneter Partner) beinhalten. Stattdessen investierst du die Zeit künftig dafür, Zusammenhänge zu verstehen, eine Ebene tiefer zu kommen. Dabei musst du hier keinen faden Lehrplan abarbeiten und kannst die Themen völlig frei an deine persönlichen Interessen anpassen. Lebenslanges Lernen kann und soll Spaß machen – du musst niemand (mehr) etwas beweisen. Dabei musst du dir kein zusätzliches Zeitfenster aus einem eh schon vollen Tag schneiden und es muss nicht mal etwas kosten. Alles was du dazu brauchst ist dein Smartphone und Kopfhörer – die Bildung kommt bei der unabhängigen Pendel Universität via Podcast (gratis) und Hörbüchern zu dir.

Um dir zu beweisen was als ‚Student‘ in einem Jahr möglich ist, ein Blick in die Fakten (immer will man noch Fakten, Fakten anschließen .. Danke für nichts, Markwort). Laut des statistischen Bundesamtes ergibt sich folgendes Bild des täglichen Arbeitswegs der Deutschen:

  • 47,5 Prozent der Erwerbstätigen (Arbeitnehmer und Selbstständige) brauchen für den einfachen Weg zur Arbeit zwischen 10 und 30 Minuten: Lass uns der Einfachheit halber für den Hin- und Rückweg von täglichen 40 Minuten ausgehen (Gruppe I)
  • 22 Prozent brauchen schon 30 – 60 Minuten einfach -> ergibt 90 Minuten hin und rück (Gruppe II)
  • 5 Prozent braucht über eine Stunde zur Arbeit -> ergibt ganz passiv angenommen 120 Minuten hin und rück (Gruppe III)
  • Beim Rest der arbeitenden Bevölkerung ist der Weg entweder nicht vorhanden oder sehr kurz

Am Rande interessant ist übrigens die Tatsache, dass 68 Prozent das Auto zur Arbeit nehmen und (nur) 14 Prozent öffentliche Verkehrsmittel (die Zahlen stammen aus dem Jahr 2016). Dabei ist es für dich als Student der Pendel Universität ganz egal ob B12 oder BVG – Zeit zu hören hast du unabhängig des Fortbewegungsmittels. Aus der gependelten Zeit ergeben sich auf das Jahr aufsummiert erstaunliche Studier- und Lernmöglichkeiten:

  • Ein Jahr hat 52 Wochen mit jeweils 5 Arbeitstagen -> also 260 Arbeitstage komplett
  • Davon abzuziehen sind Feiertage, Urlaub und Krankheitstage -> bleiben 220 Arbeitstage (jeder Fall ist individuell aber für das Beispiel sind ein paar Tage hin und her völlig egal)
  • Weiter abzuziehen sind ca. 40 ganze Tage an denen man keine Muße hat etwas zu lernen -> bleiben 180 Arbeitstage

Auf die verschiedenen Gruppen angewandt, ergibt sich folgendes Zeitkontingent:

  • Gruppe I: 180 Arbeitstage x 40 Minuten Zeitkontingent = 7200 Minuten bzw. 120 (nutzbare) Stunden
  • Gruppe II: 180 Arbeitstage x 90 Minuten Zeitkontingent = 16.200 Minuten bzw. 270 Stunden
  • Gruppe III: 180 Arbeitstage x 120 Minuten Zeitkontingent = 21.600 Minuten bzw. 360 Stunden

Geht man von einer durchschnittlichen Hörbuchlänge von 6 Stunden und von einer Podcast-Folge à 30 Minuten aus, kann man als Student der Pendel Universität … Trommelwirbel bitte:

  • Gruppe I: 20 Hörbücher oder 240 Podcast-Folgen hören
  • Gruppe II: 45 Hörbücher oder 540 Podcast-Folgen hören
  • Gruppe III: 60 Hörbücher oder 720 Podcast-Folgen hören

Ziemlich beeindruckend, oder? Wohlgemerkt: das alles geht nebenbei, ist kostengünstig und völlig flexibel. Deine Weiterbildung kann das Sprungbrett zu völlig neuen Welten werden – eine Zukunft mit Inhalten und Themen die dich begeistern, inspirieren oder auf die Idee zu etwas ganz Neuem bringen. Kein Diplom aber con laude. Worauf wartest du? Schreib dich ein.

Abschließend gebe ich dir eine Übersicht über die von mir derzeit genutzten Apps die belegten Podcast-‚Kurse‘.

Apps:
Podcasts: Podcast Addict (Android), Overcast (iOS)

Hörbücher: Audible (für mich nicht zu schlagen im Dreieck Preis-Leistung-Vielfalt). Spotify (hier gibt es eine gar nicht so kleine Auswahl; allerdings mehr Romane als ‚Bildungsbücher‘), Interessant sind auch die Online-Möglichkeiten der öffentlichen Büchereien -> oder hier einfach Hörbuch-CD’s ausleihen und ins Autoradio oder CD-Player (ja, die gibt’s noch)

Podcasts:

Mark Manson

P.S.: falls du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendelst, kannst du die Zeit natürlich auch zum Lesen nutzen. Ich wollte mich hier nur auf den Hör-Sinn beschränken.

Verbessere dein NEIN

Es gibt viele Kommunikationsdisziplinen in denen ich mäßig bin, aber eine in der ich qualitativ ungefähr so gut bin wie Nordkorea in der Pressefreiheit, Trump im dezent sein oder Facebook im Datenschutz: im Absagen. Dabei bin ich nicht allein. Eine kleine Umfrage im Freundeskreis ergab dass sich die meisten sehr schwer tun ein Angebot, eine Verabredung oder eine Verpflichtung abzusagen. Inhaltlich steht es dabei oft außer Frage dass eine Absage in vielen Situationen das einzig Richtige ist, um die eigene Zeiteinteilung oder die Agenda der anderen nicht vor die eigenen Ziele zu stellen.

Bei den Absagen gibt es vier verschiedene, ansteigende Schwierigkeitsstufen zu unterscheiden:

  • Stufe 1 ‚Einfach raus aus der Nummer‘ : Schriftliche Absagen per E-Mail, What’s App oder SMS
  • Stufe 2 ‚Indirekte Kommunikation‘ : Absagen via Sprachnachricht oder auf den Anrufbeantworter
  • Stufe 3: ‚Auf in den Kampf‘: Telefonische Absage
  • Stufe 4 ‚Der Endgegner‘: Absage mit Augenkontakt im direkten Gespräch
Die Auswahl der Stufe ist natürlich nicht immer selbstbestimmt. Aufgrund örtlicher Distanz oder Erreichbarkeiten ergibt sich die Waffenauswahl der Absage. Was verbessert nun das eigene Verhältnis zur Absage und erhöht die Akzeptanz und das Verständnis der Absage beim Gegenüber?

Zunächst sollte ein gesunder Egoismus trainiert werden. Um nicht zum praktischen Spielball anderer (Interessen) zu werden, lohnt es sich die ehrliche Beantwortung der Frage: ‚Profitiere ich von selbst wenn ich auf die Anfrage eingehe?‘. Als Zusatzfrage ebenfalls interessant: welche kurz- und langfristige Konsequenz ergibt sich aus meiner Zu- oder Absage? Eine perfekte Anleitung zu einem gesünderen Egoismus bietet das Buch ‚Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt.‘ des österreichischen Autors Josef Kirschner. Kommt man zu dem Fazit dass eine Zusage den eigenen Zielen nutzt, sind nur noch die Bedingungen der Zusage zu entscheiden – (bis) wann, in welchen Rahmen, mit welchen Ressourcen, was ist die Gegenleistung,… Ist die Absage die bessere oder vernünftigere Wahl helfen auf allen Absagenstufen die folgenden Kommunikationsregeln:

  • Schnelles Feedback -> aus Respekt (auch sich selbst gegenüber) stets sehr zügig abgesagt werden
  • Mit einer positiven Formulierung starten und enden; Verständnis zeigen -> gibt dem Anderen ein besseres Gefühl und hilft ihm ‚sein Gesicht zu wahren‘
  • Kurze Begründung des Absage ohne inhaltliche Entschuldigung -> nicht abschweifen oder den Grund aufweichen; schlechtes Gewissen ist nicht angebracht
  • Keine Hintertür offen lassen -> hier hilft es auf ‚Punkt zu sprechen‘. Was ich damit meine ist am Ende des Absagensatzes nicht mit der Stimme hochzugehen. Dann redet man sich oft selbst noch in Schwierigkeiten.

Wie man kreativ mit einer Absage umgehen kann (ein gutes Beispiel wie aus Zitronen doch noch Limonade wird), zeigt Tim Ferriss in seinem sehr lesenswerten Buch ‚Tribe of Mentors‘ in dem von über 100 Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen Antworten auf für ihn persönlich-relevante Fragen erhält. Allerdings bekommt er im Vorfeld auch Absagen, die aber zum Teil so kunstvoll sind, dass er sie mit Genehmigung des Urhebers in seinem Buch veröffentlicht.

Hier ein Auszug einer Absage von Autor Neal Stephenson auf die Einladung von Tim Ferriss Teil des Buches zu sein:

„Hey there Tim, sorry for the slow response and thanks for thinking of me in this context. It has become pretty obvious of late that I’m trying to do too much, and so I started an experiment of not adding anything whatsoever to my ‚to-do‘ list, so that it wouldn’t get any longer. – .…. –  In the meantime unfortunately, the ‚ruthless-efficient‘ part of this plan means that I am turning down things like this just a blanket policy. ….

P.S.: Aus privater Quelle kam noch eine – angeblich wasserdichte – Anleitung zu einer nachträglichen Rechtfertigung für den Fall dass man eine persönliche Einladung nicht wahrnehmen konnte, wollte oder im Trubel des Alltags vergessen hat abzusagen. Das nächste Mal wenn man den Versetzten sieht und die Frage aufkommt: ‚(wo zum Teufel) bist du gewesen‘, wird sofort Augenkontakt aufgenommen, tief ausgeatmet, kurz gewartet und dann entschlossen und mit fester Stimme gesagt: ‚Glaub mir: es ging wirklich nicht‘. Eventuelle Nachfragen sollten mit mit dem gleichen Satz und noch intensiverem Augenkontakt gekontert werden.

Links: