Verbessere dein NEIN

Es gibt viele Kommunikationsdisziplinen in denen ich mäßig bin, aber eine in der ich qualitativ ungefähr so gut bin wie Nordkorea in der Pressefreiheit, Trump im dezent sein oder Facebook im Datenschutz: im Absagen. Dabei bin ich nicht allein. Eine kleine Umfrage im Freundeskreis ergab dass sich die meisten sehr schwer tun ein Angebot, eine Verabredung oder eine Verpflichtung abzusagen. Inhaltlich steht es dabei oft außer Frage dass eine Absage in vielen Situationen das einzig Richtige ist, um die eigene Zeiteinteilung oder die Agenda der anderen nicht vor die eigenen Ziele zu stellen.

Bei den Absagen gibt es vier verschiedene, ansteigende Schwierigkeitsstufen zu unterscheiden:

  • Stufe 1 ‚Einfach raus aus der Nummer‘ : Schriftliche Absagen per E-Mail, What’s App oder SMS
  • Stufe 2 ‚Indirekte Kommunikation‘ : Absagen via Sprachnachricht oder auf den Anrufbeantworter
  • Stufe 3: ‚Auf in den Kampf‘: Telefonische Absage
  • Stufe 4 ‚Der Endgegner‘: Absage mit Augenkontakt im direkten Gespräch
Die Auswahl der Stufe ist natürlich nicht immer selbstbestimmt. Aufgrund örtlicher Distanz oder Erreichbarkeiten ergibt sich die Waffenauswahl der Absage. Was verbessert nun das eigene Verhältnis zur Absage und erhöht die Akzeptanz und das Verständnis der Absage beim Gegenüber?

Zunächst sollte ein gesunder Egoismus trainiert werden. Um nicht zum praktischen Spielball anderer (Interessen) zu werden, lohnt es sich die ehrliche Beantwortung der Frage: ‚Profitiere ich von selbst wenn ich auf die Anfrage eingehe?‘. Als Zusatzfrage ebenfalls interessant: welche kurz- und langfristige Konsequenz ergibt sich aus meiner Zu- oder Absage? Eine perfekte Anleitung zu einem gesünderen Egoismus bietet das Buch ‚Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt.‘ des österreichischen Autors Josef Kirschner. Kommt man zu dem Fazit dass eine Zusage den eigenen Zielen nutzt, sind nur noch die Bedingungen der Zusage zu entscheiden – (bis) wann, in welchen Rahmen, mit welchen Ressourcen, was ist die Gegenleistung,… Ist die Absage die bessere oder vernünftigere Wahl helfen auf allen Absagenstufen die folgenden Kommunikationsregeln:

  • Schnelles Feedback -> aus Respekt (auch sich selbst gegenüber) stets sehr zügig abgesagt werden
  • Mit einer positiven Formulierung starten und enden; Verständnis zeigen -> gibt dem Anderen ein besseres Gefühl und hilft ihm ‚sein Gesicht zu wahren‘
  • Kurze Begründung des Absage ohne inhaltliche Entschuldigung -> nicht abschweifen oder den Grund aufweichen; schlechtes Gewissen ist nicht angebracht
  • Keine Hintertür offen lassen -> hier hilft es auf ‚Punkt zu sprechen‘. Was ich damit meine ist am Ende des Absagensatzes nicht mit der Stimme hochzugehen. Dann redet man sich oft selbst noch in Schwierigkeiten.

Wie man kreativ mit einer Absage umgehen kann (ein gutes Beispiel wie aus Zitronen doch noch Limonade wird), zeigt Tim Ferriss in seinem sehr lesenswerten Buch ‚Tribe of Mentors‘ in dem von über 100 Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen Antworten auf für ihn persönlich-relevante Fragen erhält. Allerdings bekommt er im Vorfeld auch Absagen, die aber zum Teil so kunstvoll sind, dass er sie mit Genehmigung des Urhebers in seinem Buch veröffentlicht.

Hier ein Auszug einer Absage von Autor Neal Stephenson auf die Einladung von Tim Ferriss Teil des Buches zu sein:

„Hey there Tim, sorry for the slow response and thanks for thinking of me in this context. It has become pretty obvious of late that I’m trying to do too much, and so I started an experiment of not adding anything whatsoever to my ‚to-do‘ list, so that it wouldn’t get any longer. – .…. –  In the meantime unfortunately, the ‚ruthless-efficient‘ part of this plan means that I am turning down things like this just a blanket policy. ….

P.S.: Aus privater Quelle kam noch eine – angeblich wasserdichte – Anleitung zu einer nachträglichen Rechtfertigung für den Fall dass man eine persönliche Einladung nicht wahrnehmen konnte, wollte oder im Trubel des Alltags vergessen hat abzusagen. Das nächste Mal wenn man den Versetzten sieht und die Frage aufkommt: ‚(wo zum Teufel) bist du gewesen‘, wird sofort Augenkontakt aufgenommen, tief ausgeatmet, kurz gewartet und dann entschlossen und mit fester Stimme gesagt: ‚Glaub mir: es ging wirklich nicht‘. Eventuelle Nachfragen sollten mit mit dem gleichen Satz und noch intensiverem Augenkontakt gekontert werden.

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