Wie rede ich mit einem Kind … das nicht das Eigene ist?

Neulich bin ich an meine Grenzen gestoßen – nicht beim Schachspielen gegen pakistanische Altmeister, nicht beim Bouldern an Überhangwänden und auch nicht daran einen einfachen Handstand zu machen. Nein, in der Kommunikation mit einem 9-jährigen Jungen.
Ich sollte im Sportclub für 30 Minuten auf einen Jungen aufpassen, den ich ein wenig aber keineswegs gut kenne. Ablenkungen waren nicht vorhanden – nur er und ich und zwischen uns nur ein Kakao und ein Kaffee. Zeit für ein kurzes Gespräch zwischen großem und kleinem Mann, Zeit für einen lockeren Austausch. Eigentlich. Doch es wurde eher eine verkrampfte Aneinanderreihung von Fragen (Spielst du gerne Tennis? Wer ist dein Vorbild? Was ist deine Leibspeise?, …) meinerseits die seinerseits jederzeit freundlich aber immer einsilbiger beantwortet wurden. Es war kein unangenehmes Gespräch, aber einseitig mit klarer Rollenverteilung und ohne Mut zur Lücke von mir. Blickkontakt mit Schweigen ist für mich schon im Gespräch mit Freunden eine schwierige Übung.
Wie führt man aber ein Gespräch mit einem Kind das nicht das Eigene ist? Kommunikation mit dem eigenen Kind ist wieder ein ganz eigenes Thema für sich – Stichwort . Wie gelingt ein angenehmer Small Talk, für den es in der Erwachsenenwelt zahllose Tipps und Ratgeberbücher gibt? Und vor allem: wie kommt es zu einem Austausch der mehr ist als ermüdendes Frage-/ Antwortspiel?
Die Google-Recherche zu diesem Thema ist ernüchternd. Es findet sich nicht viel und das Wenige ist an Eltern adressiert die besser mit ihren Kindern kommunizieren wollen um aus der ständigen Ausrufezeichenkommunikation (‚Mach das nicht‘, ‚Lass das zu‘, ‚Hör auf mit‘) herauszukommen.
Weitere, tiefergehende Recherchen – Viele weitere Interaktionen mit anderen Kindern, Studium von Blogeinträgen, Adaption von Tipps für Eltern – Kind – Kommunikation und Umfragen im Bekannten und Freundeskreis ergeben  folgende Ratschläge für den Small Talk mit nicht-eigenen Kindern.
Zum Einstieg die Basics: 
  • Einfache, bildhafte Sprache verwenden
  • ‚Auf Augenhöhe‘ mit dem Kind sprechen – sich gegenüber sitzen ist besser als sich gegenüber stehen – und keinesfalls die Tonalität eines Kindes imitieren
  • Aktives Zuhören und Mut zur Pause -> einfach mal die Klappe halten und warten was passiert
  • Humor mit offenen Visier ohne Sarkasmus -> Kinder (bis 14 Jahren) verstehen in der Regel noch keinen spitzfindigen Kommentare
  • Immer 1-2 Eisbrecher parat haben. Beispiele:
    • Beim High Five nach hinten fallen weil das Kind sooo viel Kraft hat
    • Lustiges Video oder Foto zeigen
    • Wette abschließen (wetten dass ich / du ….)
    • Zaubertrick
    • … der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt
Darauf aufbauend für Fortgeschrittene: 
  • Keine falsche Begeisterung für das Kind oder Gesprächsinhalte zeigen. Die Killer-Formulierung ‚Sei Authentisch‘ trifft hier ins Schwarze. Kinder spüren mindestens so gut wie Erwachsene ob man tatsächlich hinter dem steht was man sagt
  • Offenen Fragen stellen über Themen wie Sport, Pop-Kultur, Weltgeschehen – je nach Alter des Gegenüber – für die sich das Kind interessiert:
    • Statt: Magst du Videospiele? besser: Was ist das beste Computerspiel aus deiner Sicht?
    • Statt: Hörst du gerne Musik? besser: Welche Art von Musik gefällt dir?
    • Statt: Magst du die Schule? besser: was interessiert dich am meisten in der Schule?
  • Viel wichtiger als das was man sagt ist es außerdem wie man es sagt. Die Mehrabian-Regel gilt in Grundzügen auch für die Kommunikation mit Kindern. Die nonverbale Kommunikation – Körpersprache (z.B. Haltung, Gestik, Augenkontakt) und Stimmlage sind deutlich wichtiger als der Inhalt des Gesagten.
Weiter bilden -> Literaturempfehlungen:

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